Die Andere Seite - Epithymia

Nichts ist gefährlicher als die eigenen Gedanken. Manchmal kriechen sie aus der tiefsten Narbe der Seele hervor, werden zu Musik, finden eine Stimme, lassen ihre Krallen von einem metallisch klingenden Feedback schärfen, folgen einem stoischen, mechanischen Takt, flüstern erst: „Ich bin die Leere, die dich quält / Ich bin das Andere, das dir fehlt / Ich bin der dunkle, verlassene Ort.“ Sie werden bedrohlicher, geständig, unverfroren: „Ich bin das falsche, boshafte Wort“, knurren sie, „das Rufen aus dem Wald“, das „Schreien aus der Wiege“. Die Musik, die sie begleitet, wird dunkler, grimmiger, lauter, bis sich all diese abgründigen Gedanken in einem gellenden Schrei entladen. „Komm, tanz mit mir!“ brüllen sie, bis man am Boden liegt, und in den letzten Sekunden von „Das Lied vom Ich“ noch die grausame Pointe hören muss: „Erkennst du mich? Ich bin dein Ich.“

Man hatte es ja schon am Cover-Artwork der Berliner Künstlerin Natalie Huth erkannt und weiß es todsicher nach den ersten paar Liedern: „Epithymia“, das neue Album von Die Andere Seite, ist eine faszinierende, aber keine fröhliche Angelegenheit. Die zehn Songs lassen einen schnell an Referenzen mit klangvollen Namen denken. „Das Lied vom Ich“ zum Beispiel ist abgründig und hypnotisch, die Percussions und die Gitarren entwickeln eine ähnliche Dynamik, wie sie Michael Gira mit seiner Band Swans zelebriert. „Aljoscha“ wiederum ist eine reine Folkballade, bei der das leichte, schöne Spiel der Gitarre das Drama um Aljoschas Kindheit ohne Liebe ein wenig erträglicher macht. Hier hört man raus, was Tom Schilling – Sänger, Texter und Songwriter der Band – schon vor einigen Jahren in einem Interview sagte: „Mir sind einfach strukturierte Songs nah – russische Volkslieder zum Beispiel oder Stücke von Hank Williams und Bob Dylan.“

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