Timo Blunck - Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern

Zeit, Bilanz zu ziehen. Und Blunck zog Bilanz: „Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?“ ist seine musikalische Autobiographie. In ihrer Direktheit ziemlich verstörend. Aber: „Das Leben ist zu kurz, um in Bildern zu sprechen.“ Recht hat der Blunck. Verstörend, aber trotz Tod, schlechten Drogen, guten Drogen, kaputten Beziehungen und dem ganzen üblen Kram nie ohne Humor. Und nicht nur textlich ist „Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?“ eine Autobiographie, sondern auch musikalisch, Blunck spielte alle Instrumente selbst ein. Vielleicht, weil die Songs so persönlich sind, so nah, so schmerzhaft?

Aber derartig prätentiöses, ja man möchte schon fast sagen deutschpoetenhaftes Befindlichkeitsgetue liegt Blunck, wir ahnen es bereits, fern: „Bevor ich einem Mucker seinen Part erklären muss, mach ich den Kram lieber selber“, so die etwas hemdsärmelige Auskunft. Und Blunck machte „den Kram“ selber, nahm mit einer alten 8-Spur-Bandmaschine zu Herzen gehende Balladen („Koks & Nutten“, „Der zärtlichste Psychopath“), New-Orleans-Soul-Yacht-Rock-Hybriden („Blöd“, „Angst essen Erbsenseele auf“) und Uptempo- Funk (das Titelstück) auf, sparsam, aber dafür umso knalliger arrangiert.