Telquist - Strawberry Fields

Mit den Songs seines Debüt-Albums „Strawberry Fields“ macht Telquist, ein Anfang-20-jähriger Musiker, der im deutschen Regensburg lebt und studiert, das, was gute Popmusik von jeher ausmacht. Er zelebriert Momente, er durchmisst sie, er klopft sie auf ihren Gehalt und ihre Möglichkeiten ab. Er streckt sie, verlängert sie, sammelt sie, schreibt und singt eine sinnliche Chronik der Euphorien, der täglichen und nächtlichen Ekstasen – „we were walking right over the bridge, a little tired we’ve had exhausting weeks/and when we made it to the other side, we felt dizzy of the vodka and wine“ („Runners“) – und der (ebenso vergänglichen) Niedergeschlagenheiten und Zweifel. Mit Sounds, Rhythmen, Melodien und Worten. Ist es Koketterie, ist es schelmische, stilsichere Unerschrockenheit ein Album nach Erdbeerfeldern zu benennen, bei denen nicht nur Musikverrückte die Pilzköpfe assoziieren, die im Universum Pop nicht nur eine Sonne aufgehen ließen? Wer weiß. Es passt und es klingt gut. So wie das Album, die Songs selbst.

Die Zentralgestirne von Telquists Pop Universum sind nur vermeintlich Lichtjahre voneinander entfernt. Dort leuchtet und fließt Reggae, in der enthemmten, kosmisch freien Version des großen, durchgeknallten Weisen Lee „Scratch“ Perry (hören wir zur Vertiefung „Release me“), da blinken die Farben und Perspektiven zeitloser Klassiker wie Doors, Dylan oder Young. Schließlich gibt es deutliche, farbstrotzende Signale, die so von den verdienten Art Pop Scientists Notwist stammen könnten. Dazu eine nicht verschwendete Jugend in diversen Bands, am Bass. Ska, Ska-Punk, Reggae- und Indie spielte er  mit Leidenschaft, zusehends wollte aber die eigene Stimme des Songwriters und Soundarchitekten Telqusit ihren (Spiel-)Platz finden, der die stilistischen Reinheitsgebote diverser Bandgefüge zu eng wurden. Der Laptop wurde zum Schauplatz großer musikalischer Freiheit, „die einzige Vorgabe war, dass alles erlaubt ist.“ Nur für sich bastelte Telquist seine Songs, über Monate, ohne je an eine Veröffentlichung zu denken.

Glücklicherweise war er als der lange Zeit exklusive Hörer seiner Musik so weit von deren Qualitäten überzeugt, dass er sie, zögerlich zuerst, im unmittelbaren persönlichen Umfeld zugänglich machte, schließlich an einige Labels Hörproben verschickte. Wohnzimmer aus Wien, als Label, dem es von jeher darum geht Musik zu verlegen, die die Betreiber_innen selbst vorbehaltlos gut finden, teilte das Urteil über die Qualitäten dieser frischen, atmosphärisch einnehmenden Songs – weit weniger zögerlich als deren Urheber ...

Der Kontakt zu Max Perner (Garish, Thees Uhlmann) wurde hergestellt, Max spielte echte Drums ein, die die ursprünglichen Midi-Sounds ersetzten. Die zusätzlichen, erfahrenen Ohren von Stefan Deisenberger (Naked Lunch, Nowhere Train) wurden für einen Mix hinzugezogen, der nicht nur Telquist glücklich machte, sondern dem Album auch seine endgültige, zwingende Form gab.

Eine Form, in der so schöne Songs wie „Pigeons“, „Life is good“ oder „Bench“, um nur einige zu nennen, wie selbstverständlich fließend ihren Platz im Ganzen von „Strawberry Fields“ einnehmen, und sich die speziellen lebensbejahenden Vibes, um die es Telquist geht, ungehindert und sich Song für Song verstärkend entfalten. Während „Strawberry Fields“ auf erste Reaktionen harrt, bringt sich die Liveband Telquist in Form, mit Telquist selbst an Stimme und Gitarre, Christoph Hundhammer Keyboards und  Gitarre, Thomas Huck Bass und Max Gerisch an den Drums. Auf in die Erdbeerfelder!